Esperanto in Österreich
Auch in Österreich hat Esperanto eine lange und vielseitige Geschichte. Von den Anfängen im frühen 20. Jahrhundert bis zu heutigen Sprachkursen und Kongressen lebt die Idee einer neutralen, internationalen Verständigungssprache weiter – still, aber beständig.
die Geschichte von Esperanto in Österreich
Die Geschichte von Esperanto in Österreich ist eng mit Idealismus, Friedensgedanken und europäischem Geist verbunden. Schon kurz nach der Veröffentlichung des ersten Lehrbuchs im Jahr 1887 erreichte die neue Sprache Wien, wo der Begründer L. L. Zamenhof für kurze Zeit lebte, um sein Medizinstudium fortzusetzen. Hier fand er erste Unterstützer seiner Idee einer neutralen Weltsprache,
darunter Intellektuelle und Künstler, die die internationale Verständigung fördern wollten. In der Florianigasse 8 gibt es noch eine Gedenktafel, wo Zamenhof 1986 gewohnt hatte.
Um die Jahrhundertwende begannen in Wien, Graz, Linz und Innsbruck erste Sprachkurse, Lesekreise und Vereine zu entstehen.
Zu den frühen Förderern zählte auch die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner, die die Idee einer gemeinsamen Sprache als Beitrag zum Weltfrieden sah.
Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die Bewegung in Österreich neuen Aufschwung. Esperanto galt als Symbol für Völkerverständigung und Hoffnung auf ein vereintes Europa. Mehrere Zeitungen und Zeitschriften erschienen zweisprachig, und es wurden Kurse in Schulen, Arbeiterbildungsvereinen und Volkshochschulen angeboten.
In der Zweiten Republik erhielt die Bewegung prominente Unterstützung: Der spätere Bundespräsident Franz Jonas war selbst aktiver Esperantosprecher und hielt 1970 bei einem Besuch in der DDR sogar eine Rede auf Esperanto – ein symbolisches Zeichen für Frieden und Dialog. Auch Franz Fischer, der Vater des späteren Bundespräsidenten Heinz Fischer, gehörte zur österreichischen Esperanto-Bewegung.
🗓️ Kongresse und Begegnungen
Österreich war immer wieder Gastgeber internationaler Esperanto-Veranstaltungen. In den 1950er Jahren fand in Wörgl ein Weltjugendkongress statt – ein Ereignis, das bis heute vielen Teilnehmern in Erinnerung geblieben ist. Zur Erinnerung daran steht in Wörgl heute ein Zamenhof-Monument, das an die Idee der sprachlichen Verständigung erinnert.
Auch Graz spielte immer wieder eine Rolle als Treffpunkt der Bewegung. Hier finden regelmäßig nationale Treffen und Sprachkurse statt,
und 2026 wird Graz erneut im Mittelpunkt stehen – als Austragungsort des Welt-Esperanto-Kongresses.
📻 Esperanto im österreichischen Rundfunk
Über Jahrzehnte war Österreich auch durch den Rundfunk mit der Esperanto-Welt verbunden. Der Auslandsdienst Radio Österreich International (ROI) sendete regelmäßig Nachrichten und Beiträge auf Esperanto, moderiert von Katalin Fetes-Tősegi. Viele Esperantosprecher weltweit kannten Österreich durch diese Stimme – sie war für Jahrzehnte eine Brücke zwischen Österreich und der internationalen Community.
Mit der Einstellung von ROI im Jahr 2003 endete zwar diese Ära, doch viele der damaligen Sendungen leben heute in Archiven und Erinnerungen weiter.
🏛️ Das Esperanto-Museum in Wien
Ein zentraler Ort der Bewegung ist das Esperanto-Museum Wien, das heute Teil der Österreichischen Nationalbibliothek ist. Es wurde 1927 von Hugo Steiner gegründet und zählt zu den ältesten und umfangreichsten Sammlungen über Plansprachen weltweit. Neben Esperanto widmet es sich auch anderen Sprachprojekten, zeigt alte Bücher, Plakate und Dokumente und bietet regelmäßig Ausstellungen zur Sprachgeschichte an.
Esperanto-Museum Wien – Österreichische Nationalbibliothek
🌍 Internationale Verbindungen
Auch über Österreich hinaus finden sich bekannte Namen mit Esperanto-Bezug. Der ungarischstämmige Investor George Soros – eigentlich György Schwartz – wuchs in einer Familie auf, in der Esperanto gesprochen wurde. Sein Vater, Tivadar Soros, war ein engagierter Esperantist und veröffentlichte seine Kriegserinnerungen ursprünglich auf Esperanto. Solche Biografien zeigen, wie weit die Idee über Ländergrenzen hinausgewirkt hat.
Gegenwärtig konzentrieren sich die Aktivitäten auf den Österreichischen Esperanto-Verband und die Steirische Esperanto-Gesellschaft. Beide pflegen gute Beziehungen zu Vereinen in den Nachbarländern. Viele österreichische Esperantisten nehmen auch fleißig an den Kongressen und Treffen teil, die in den Nachbarländern, ganz Europa, und darüber hinaus regelmäßig stattfinden.
🤝 Heute und morgen
Heute existieren in Österreich mehrere lokale Gruppen, die Sprachkurse, Treffen und Kulturveranstaltungen anbieten – koordiniert durch die Österreichische Esperanto-Föderation (AEF), die Mitglied der Universala Esperanto-Asocio (UEA) ist.
Wer neugierig ist, findet leicht Anschluss: über Vereine, Online-Treffen oder das Esperanto-Museum. Auch in kleineren Städten lebt die Bewegung weiter – leise, aber mit Begeisterung für Verständigung und Europa. Die besten Kontaktadressen sind: